PRESSESPIEGEL:
16. März 2010
Glück steht ab sofort auf dem Stundenplan
Aachener Zeitung, 15. März 2010
Aachen. Was ist Glück? Diese Frage scheinen sich in der heutigen Zeit viele Menschen zu stellen. Wie sonst wäre die enorme Nachfrage nach der Ratgeberliteratur zu erklären? Auch die ca. 300 Besucher der Auftaktveranstaltung „Das Schulfach Glück für Schulkinder“ im Inda-Gymnasium sind begierig auf Antworten. Nach rasanter Trommeleinlage der Kinder der Grundschule Oberforstbach eröffnen deren Schulleiterin Maria Schiefer und Moderator Christian Rein, Redakteur unserer Zeitung, die Veranstaltung, die mit einem Grußwort der Bundestags- abgeordneten und Schirmherrin Ulla Schmidt beginnt.
Der zu diesem Zweck gegründete Verein „Malaika“ hat sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass die Viertklässler der Grundschule in Oberforstbach neben Deutsch und Mathe auch Glück auf ihrem Stundenplan stehen haben. Ab dem Schuljahr 2010/2011 bekommen nun alle Schüler einmal wöchentlich Glücksunterricht.
In Modulen wie „Freude am Leben“, „Ernährung und körperliches Wohlbefinden“ und „Abenteuer Alltag“ lernen die Kinder, wie sie ihr persönliches Glück finden können. Dabei wird Wert auf handlungs- und erfahrungsorientiertes sowie körperliches und emotionales Lernen gelegt, das heißt, der Unterricht soll möglichst anschaulich gestaltet werden. Der Ehrengast des Abends, Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert, hat ein Konzept für das Schulfach Glück entwickelt. Seit einem Jahr steht es an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg auf dem Lehrplan. In seinem Vortrag beschreibt er den Unterschied zwischen explizitem Lernen in der Schule und implizitem Lernen nach seiner Methode mit Hilfe eines Eisberges. In der Schule werde bisher ausschließlich die Spitze belehrt, der größere unter Wasser liegende Teil jedoch vergessen. Hier soll das Fach ansetzen.
„Kinder müssen Gestalter sein und lernen, Verantwortung zu übernehmen, statt nur zu erdulden. Mit der Opferrolle geht oft das Fehlen der Achtsamkeit gegenüber anderen zusammen.“ Kinder müssten bei der Abfolge Erleben – Bewerten – Sollen oder Wollen – Tun oder Lassen bestärkt werden, um sich bewusst zu werden, was gut für sie ist, und dieses dann auch zu tun – oder eben zu lassen.
„Glück ist ein Hochgefühl, das auch wieder verflachen muss“, sagt Fritz-Schubert. So gehen zum Beispiel Mäuse, denen kontinuierlich mittels Elektronen das Gefühl der Euphorie vermittelt wird, elend zu Grunde. Mit diesem Vergleich spielt er auf den Umgang der heutigen Kinder und Jugendlichen mit den Medien an.
„Es wird in geteilten Klassen zu 12 bis 13 Kindern gelehrt. Zusätzlich werden klassenübergreifende Maßnahmen wie Gymnastik und Entspannungsübungen in den Pausen angeboten“, erklärt Katja Reuter von „Malaika e.V.“ das Konzept. Die Grundschule Oberforstbach soll nicht die einzige Station des Projektes bleiben. Mit geschickter Vernetzung und Fortbildungen will „Malaika e.V.“ die Übertragbarkeit auf weitere Institutionen gewährleisten.
Quelle: Aachener Zeitung, 15.03.2010, Sebastian Dreher